Poesie

Erlebnisse, Gedanken, Gefühle. Mal traurig, mal lustig, spuken sie Dir im Kopf herum. Zeilen in Reimform. Du möchtest auch ein Gedicht auf visualgaze.de veröffentlichen? Dann schnell die Finger gespitzt und eingetragen. (nicht angemeldet)

Der wahre Traum
Einst träumte ich einen merkwürdigen Traum,
ich lag in einem dunklen Raum.
Ich lag friedlich da und ohne Schmerzen,
und um mich herum brannten viele Kerzen.
Vor mir sah ich Menschen, die ich kannte,
die um mich weinten, und ich erkannte,
ich musste wohl gestorben sein,
und das flößte ihnen wohl Trauer ein.
Ich hab' die Tränen meiner Mam geseh'n,
doch konnte ich sie nicht versteh'n,
dass sie so furchtbar traurig war,
denn mir strahlte ein Licht so klar.
Mein Herz wollte das Licht erreichen
und aus meinem Körper weichen,
der nicht mehr zu gebrauchen war,
denn nur meine Sinne waren noch klar.
Es war einfach so schön zu erleben,
dem hellen Licht entgegen zu schweben.
Ich wollte die Tränen meiner Mutter zerstören,
doch sie schien mich nicht mehr zu hören.
Wie gerne wollte ich ihr sagen,
wie ich werde nach oben getragen,
denn es war so wunderschön,
ohne Angst dorthin zu geh'n.
Mein Mund aber wollte sich nicht bewegen,
nur meine Gedanken konnten noch reden,
und Mamutschka erfuhr es nicht,
als mich zog hinauf das Licht.
Mir kam es vor, als sei 's ein Traum,
doch ich starb in diesem Raum,
der nun nicht mehr zu sehen war,
nur noch die Wolken waren da.
Ich war erstaunt, doch ich fühlte mich gut,
und in mir war Ruhe und sehr viel Mut.
Mich selbst habe ich nicht mehr erkannt,
nur noch ein grau-braunes Mönchsgewand,
dass innen drin war scheinbar leer,
denn ich fühlte mich nicht mehr.
Ein zweiter Mensch im Gewand erschien,
dessen Inhalt ich konnte nicht seh'n.
Er war tot wie ich, und er sagte weise,
dass wir von nun an gehen leise
über der Welt unsichtbar und schwebend,
dort, wo die anderen Menschen leben.
Jeder geht für sich allein,
um rechtzeitig bei den Menschen zu sein,
die unsere Hilfe brauchen dann,
wenn wir in der Gegend kommen an.
Nur noch die Schwebenden konnten mich sehen,
und hin und wieder auch verstehen.
Es blieb dafür aber wenig Raum,
denn auf dem Weg traf man sich kaum.
Dennoch war man nicht allein,
denn was kann schon schöner sein,
wenn man and're retten kann,
egal, ob Kind, Frau oder Mann.
Dann hat man mich ganz sanft geweckt,
und erst da hab' ich entdeckt,
dass ich doch noch hab' gelebt,
denn ich hab' nicht mehr geschwebt.
Seitdem jedoch gehe ich ohne Angst
zu auf den einmal eintretenden Todestanz.
Renate Wagner
17.10.1999geschrieben am
(1237) - 09.01.2018letzter Aufruf

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